"Ultraleicht"-Terrarium

 

Da mich immer wieder mal Fragen zu meinen Leichtbau-Terrarien erreichen, gibt es hier eine Beschreibung eines Terrariums aus Polycarbonat-Doppelstegplatten.

Das Material ist UV-beständig, sehr leicht, besitzt recht gute Wärmedämmungseigenschaften und ist für meine Opheodrys und Takydromus ausreichend kratzfest.

Berufsbedingt konnte ich einige Erfahrungen bezüglich Haftungseigenschaften von Klebstoffen und Haftvermittler-Systemen auch nach verschiedenen Klimalagerungen (z.B. hohe Feuchte bei erhöhten Temperaturen) auf Polycarbonat sammeln.

Kurz zusammengefasst lässt sich folgendes dazu sagen: die herkömmlichen Silikonklebstoffe, die bei Glas- und Holzterrarien Verwendung finden, kann man selbst mit Haftvermittlern und/oder Anschleifen des Polycarbonats in der Regel vergessen. Auch die bei normaler Umgebungsfeuchte brauchbar erscheinenden Schmelzklebstoffe verlieren mit und ohne Haftvermittler-Vorbehandlung bei hoher Luftfeuchte recht schnell jegliche Haftung zum Untergrund. Epoxydharz- und Polyurethanklebstoffe neigen bei Polycarbonat ebenfalls dazu, bei Kontakt mit Feuchtigkeit dem sonst so guten Ruf ihrer Haftungseigenschaften nicht gerecht zu werden.

Die wenigen Klebstoffe, die ohne Primer auf Polycarbonat auch nach Klimalagerung eine sehr gute Haftung zeigen, erscheinen mir persönlich wegen langanhaltender Ausgasung von Weichmachern nicht für den Terrarien-Bau geeignet.

So habe ich mich für chemisches „Verschweissen“ entschieden. Dazu benötigt man allerdings Methylenchlorid (Dichlormethan) – ein Lösungsmittel, mit dem ich persönlich ausschliesslich im Freien arbeite.

Als reines Lösungsmittel ist Methylenchlorid so dünnflüssig wie Wasser und tropft auch ohne Druck selbst aus sehr feinen Kanülen, weil die Temperaturerhöhung durch die Handwärme ausreicht, um den Druck im Inneren der Spritze zu erhöhen und das Lösungsmittel herauszudrücken. Das erschwert sauberes Arbeiten ungemein…

Aus diesem Grund habe ich dem Methylenchlorid etwa 10% festes Polycarbonat zugegeben, um eine höherviskose Lösung zu bekommen. Es dauert leider recht lange, um feste Polycarbonatstücke unter ständigem Rühren im Methylenchlorid zu lösen. Diese 10%ige Lösung überbrückt dafür aber auch ohne Probleme kleinere Spalten.

Das "Schweissgerät"...


Im Baumarkt habe ich 6mm starke Polycarbonat-Doppelsteg-Platten der Fa. Bayer zu einem fairen Preis bekommen. Als kostenlose Zugabe gab es nach einem netten Gespräch mit dem zuständigen Mitarbeiter noch einen Zuschnitt der ursprünglich 105x200 cm grossen Platten. Den Zuschnitt bekommt man leider nicht bei allen Baumärkten – manche weigern sich, Polycarbonat zuzuschneiden, weil ihnen geeignete Sägeblätter für dieses Material fehlen.

Die zugeschnittene Plattenware aus dem Baumarkt...

 

Als Rahmenmaterial habe ich mich für die gängigen Profile aus PVC entschieden, weil Versuche gezeigt haben, dass sich auch diese mit dem Lösungsmittel direkt mit dem Makrolon® verschweissen lassen. Die kleinen sichtbaren Schräubchen dienen lediglich dazu, die Platten in den Kunststoffprofilen im richtigen Winkel zu fixieren.

Das einzige Problem, das ich im Vorfeld zu bewältigen hatte, war die durch das Zusägen in die Hohlkammern gelangte Polycarbonatspäne zu entfernen. Durchblasen ging in Ermangelung eines Kompressors nur mit Lungenkraft – selbst für Nichtraucher eine mehr als mühsame Prozedur. Daher habe ich mir eine Staubsaugerdüse gebastelt, mit der ich die Späne raussaugen konnte.

Die Reingungsdüse...

 

Dann wurde an den Rändern der Platten die Schutzfolie entfernt und die Kunststoffwinkel auf die passende Länge geschnitten und vorgebohrt. Anschliessend wurden die Makrolon-Platten in die PVC-Winkelleisten gestellt und mit einem kleinen Stichel passend durch die Löcher der Winkel angestochen (bloss nicht mehr bohren – das gibt wieder Späne im Inneren der Hohlkammern). Dann mit den Schräubchen fixiert, die Stosskanten mit Lösungsmittel ausgefüllt, das Ganze im rechten Winkel positioniert und etwa 15 Minuten bis zum nächsten Arbeitsgang gewartet. Zum Schluss habe ich noch mit reinem Methylenchlorid den Übergang der Kunststoffwinkel zum Makrolon versiegelt.

Der fast fertige Rohbau...

 

Eine saubere "Schweissnaht" zwischen den Platten und ein passgenau gefertigter und eingeschraubter Holzrahmen, der mit Alu-Drahtgaze bespannt ist, verhelfen dem Ganzen zu einer Stabilität, die man den ursprünglichen Doppelstegplatten nicht zutraut.

Das Terrarium auf dem Foto hat die Maße 105x40x50 cm, wiegt ohne Scheiben 3100 Gramm und war für die Takydromus bestimmt. Die 4mm-Schiebescheiben für das Terrarium wiegen mit 3900 Gramm etwa 800 Gramm mehr als das restliche Terrarium.
Somit ergibt sich ein Gesamtgewicht von etwa 7 Kilogramm - im Vergleich zu diesem „Ultraleicht-Terrarium“ wiegt ein Standard-Glasterrarium (je nach verwendeter Glasstärke) deutlich über 20 Kilogramm.

Das neu eingerichtete Terrarium für eine Gruppe meiner Takydromus-Nachzuchten...