Verhalten

 

Dezember 2012:

Meine beiden Weibchen sahen im Frühjahr - zum Zeitpunkt der Trennung vom Männchen - so aus:

 

Jetzt - im Dezember 2012 - sieht eines der beiden "Weibchen" deutlich verändert aus:

 

Diese sehr auffällige Farbentwicklung des vermeintlichen Weibchens - deutlich intensivere Färbung der Flecken im Nacken- und Rückenbereich und eine kräftigere Gelbfärbung - lässt mich mittlerweile vermuten, dass evtl. auch das vom adulten Männchen getötete "Weibchen" ein junges, noch nicht ausgefärbtes Männchen war. Das war vielleicht auch der Grund, warum ich bei der Sezierung des getöteten Tieres keine ausgebildeten Hemipenes gefunden habe. Oder ich habe sie wegen fehlender Grösse einfach übersehen...

Auch im Bereich der Kieferansätze hat das abgebildete Tier etwas an Breite zugelegt und ähnelt somit immer mehr dem adulten, älteren Männchen. 

Die beiden Tiere vertragen sich bislang problemlos und werden aufgrund meiner Vermutungen auch im Frühjahr weiterhin zusammenbleiben. Das grosse Männchen muss somit erstmal als "Single" leben - wenn ich Glück habe, bekomme ich ja irgendwann nochmal ein weiteres Weibchen dazu.

 

April 2012:

Leider kam es nach 14 Tagen der gemeinsamen Haltung der vier Schleichen zu einem Zwischenfall in der Dopasia-Gruppe, den eines der Tiere nicht überlebt hat.

Das grosse, prächtig gefärbte Tier hat eines der blasseren, kleineren Tiere kurz hinterm Kopf quer mit den Kiefern gepackt. Im ersten Moment dachte ich an einen Paarungsversuch...

Aber unmittelbar darauf hat sich das grosse Tier drei, vier Mal sehr schnell über seine Längsachse gedreht - ähnlich wie bei der "Todesrolle" von Krokodilen (ich weiss: es klingt blöd... beschreibt es aber noch am treffendsten) - und das kleinere Tier dabei so in sich verdreht, dass das Tier danach bewegungsunfähig im Terrarium lag. Das Ganze passierte so schnell, dass ich keine Chance hatte, einzugreifen. Beim Öffnen der Terrarienscheibe hat sich das grosse Tier dann im Bodengrund verkrochen.

Das verletzte Tier wurde umgehend separiert - es war nicht mal mehr in der Lage, sich auf dem Bauch zu halten. Wenn es versucht hat, wegzukriechen, endete das immer mit einer Rückenlage. Bissmarken waren knapp einen Zentimeter hinter dem Kopf deutlich zu erkennen.

Am Tag danach ist das Tier dann leider verendet. Meine Vermutung, dass es sich bei dem Übergriff um einen Kampf zwischen zwei Männchen gehandelt hat, wurde nicht bestätigt. Ich habe das tote Tier grosszügig vor und hinter der Kloake geöffnet und konnte nichts finden, das auch nur im Entferntesten nach Hemipenes aussah. Das tote Tier wurde zur späteren, genauen Art-Bestimmung eingefroren.

Das grosse Tier wird vorerst getrennt gehalten - ich bin aktuell allerdings etwas ratlos, wie ich mit dieser Gruppe weiter verfahren soll. Geplant ist, die Tiere nach der nächsten Winterruhe "unter Aufsicht" in einem übersichtlich eingerichtetem Terrarium zusammenzubringen. Ob es dann zu spontanen Paarungen kommt, wird sich zeigen müssen.

Möglicherweise begegnen sich die Schleichen in ihrem Lebensraum auch nur sporadisch und gehen sich - mit Ausnahmen während der Paarungszeit - gezielt aus dem Weg. Da ich aber über keinerlei Informationen zur Bestandsdichte im natürlichen Lebensraum dieser Tiere verfüge, sind das bislang lediglich Vermutungen...